Die Arbeit in den Regionen

Celle

2003 bekam der PAG-Rat eine Anfrage von der JVA-Celle, dort Kurse durchzuführen. Erst 2004 hatte PAG die Kapazität, dieser Anfrage nachzukommen. Seit Herbst 2004 laufen regelmäßig Workshops.

Die JVA Celle ist ein Hochsicherheitsgefängnis. Die Gefangenen in der JVA Celle verbüßen Haftstrafen ab 10 Jahren aufwärts, teilweise mit Sicherheitsverwahrung. Dies war für PAG etwas Neues, da es schärfere Sicherheitsbedingungen gibt, die teilweise dazu geführt haben, dass einige bewährte Übungen umgestellt oder weggelassen werden mussten. Die Kooperation mit der Anstalt lief von Anfang an sehr harmonisch.

Das erste Jahr (2 Grundkurse, 2 Aufbaukurse und ein Training-für-Trainer-Kurs) lief sehr gut. Wir haben eine rege Beteiligung von Gefangenen erfahren, teilweise mit Teilnehmern, die schon PAG-Workshops in anderen Anstalten mitgemacht hatten. Es war auch sehr bald möglich, Azubi-Trainer aus dem Pool von Gefangenen-Teilnehmern zu gewinnen.

Celle ist zum festen Bestandteil des PAG-Programms geworden.

Hannover-Sehnde

Seit Dezember 2005 bieten wir in der JVA-Sehnde - einer Einrichtung mit 500 Plätzen und der Sicherheitsstufe I - unsere PAG-Kurse an.

Nach 10-jähriger, intensiver PAG-Arbeit in der JVA-Hannover war der Wechsel nach Sehnde notwendig, weil in der JVA-Hannover ein Strukturwandel stattgefunden hatte, der uns nur noch sehr beschränkt Kurs-Angebote ermöglichte in der herkömmlichen Weise (z.B. nur noch Grundkurse).

Da der Anstaltsleiter in der JVA-Sehnde ehemals in der JVA-Hannover gearbeitet hatte, wurde PAG mit „offenen Armen“ aufgenommen. Inzwischen haben wir dort 5 Grundkurse, 4 Aufbaukurse und 1 Trainerkurs mit großer Resonanz anbieten können.

Durch den Strukturwandel der JVA-Hannover und die daraus resultierenden Verlegungen, hatten wir das große Glück, dass auch zwei unserer qualifizierten Inside-Trainer nach Sehnde verlegt wurden. Wir hatten also von Anfang an jeweils einen Inside-Trainer mit in unserem Trainer/innen-Team. Wir glauben, dass ihre intensive und überzeugende Mitarbeit auch dazu beigetragen hat, dass unsere Kurse mit 14 – 16 Teilnehmern immer ausgebucht sind und eine Warteliste notwendig ist.

Aus unserem letzten Trainerkurs gingen wieder 6 Insassen-Trainer hervor, von denen jeweils 2 an den vergangenen 2 Grundkursen mit großem Engagement mitgewirkt haben. Sie haben somit ihre 2 PAG-Kollegen aus „der 1. Stunde“ abgelöst, von denen einer entlassen und der andere verlegt wurde.

Die Zusammenarbeit mit den für uns zuständigen 2 Bediensteten ist hervorragend, so dass wir sagen können, PAG ist in Sehnde für alle Beteiligten – Teilnehmer, Trainer und Bedienstete – ein bereicherndes, verbindendes Miteinander.

Südwesten

Nachdem PAG in Baden-Württemberg in den letzten 10 Jahren nur sporadisch Kurse in Freiburg, Tübingen und Stuttgart angeboten hatte, begann 2006 eine kontinuierliche PAG-Arbeit im Südwesten mit zwei Grundkursen, einem Aufbau- und einem Trainerkurs. Zwei Teilnehmer/innen dieser Kurse wirkten im Januar 2007 schon als „Azubi-Trainer/innen“ im Trainerteam für den nächsten Grundkurs mit. Weitere fünf bis sieben Teilnehmer/innen haben sich dabei so für PAG erwärmt, dass sie als Trainer/in oder Helfer/in im Hintergrund aktiv in die PAG-Verantwortlichkeit einsteigen wollen. Aber auch Menschen, die einfach nur bei sich selbst, in ihrer Partnerschaft und Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule oder ihrem sonstigen Umfeld etwas positiv verändern woll(t)en, fühl(t)en durch diese Kurse Hilfe, Stärkung und positive Neuorientierung.

Aktuell werden Verbindungen zu einzelnen Haftanstalten in Baden-Württemberg hergestellt, um da möglichst bald Kurse durchführen zu können. Parallel dazu soll es weiterhin Kurse außerhalb von Gefängnissen geben, die wahrscheinlich ab September 2008 im Raum Mannheim-Heidelberg statt finden werden. Diese „zivilen“ PAG-Kurse beginnen jeweils freitags um 17 Uhr, gehen samstags von 9 bis ca. 21 Uhr und am Sonntag bis ca. 15 Uhr. Mittags und abends haben wir gemeinsame bio-vegetarische Mahlzeiten.

Seit Februar 2008 finden alle drei bis fünf Monate eintägige Regionaltreffen der PAG-Aktiven im Raum Südwest statt, um Austausch und Zukunftsvisionen zu pflegen und zu entwickeln.

Uelzen

Der Anfang

Im Jahre 2000 knüpfte einer unserer PAG Trainer aus dem Raum Uelzen Kontakte zur JVA Uelzen. In mehreren Gesprächsterminen und einem Vorstellungstreffen mit der Anstaltsleitung gelang es bei der JVA ein so großes Interesse für unser Projekt zu erwecken, dass wir gebeten wurden eine Infoveranstaltung für die Inhaftierten anzubieten. Bei den Inhaftierten stieß unser Konzept auf Interesse. Dies war im November 2000. Nun konnten die restlichen Rahmenbedingungen, die für unsere Arbeit wichtig sind, zwischen PAG und der Gefängnisleitung geklärt werden. Danach hatten wir von der Leitung her grünes Licht und konnten im Mai 2001 den ersten Grundkurs (GK) in der JVA Uelzen durchführen.

Was ist die JVA Uelzen für ein Gefängnis?

In der JVA Uelzen findet ein geschlossener Maßregelvollzug für Männer statt, die zwischen 4 und 15 Jahren Haftzeit zu verbüßen haben. In dieser JVA wird ein sogenannter chancenorientierter Vollzug vertreten, was aussagt, dass die Gefangenen darin unterstützt werden, sich auf beruflicher oder persönlicher Ebene innerhalb von unterschiedlichsten Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu verändern und weiter zu entwickeln.

Unsere Kurse

In Uelzen haben wir in den vergangenen vier Jahren mehr als 20 Kurse durchgeführt. Das waren PAG-typische Grundkurse (GK), Aufbaukurse (AK) und Training-für-Trainer-Kurse (T4T). Pro Kurs sind wir 12 Teilnehmer/innen. Etwa 70 Gefangene konnten in dieser Zeit bei PAG Kursen in der JVA Uelzen mitmachen. In diesen Kursen sind mehrere JVA-Insassen zu PAG Trainern ausgebildet worden. Gegenwärtig haben wir 3 aktive Trainer für alle Kursarten und 2 Azubi-Trainer, die uns in der Anstalt bei den Kursen unterstützen. Andere befinden sich bereits wieder auf freiem Fuß.

An den Kursen können bis zu drei Personen von draußen als Außenteilnehmer (AT) teilnehmen.. Das Geschlecht ist hierbei gleichgültig. Dies gilt auch für die Zusammensetzung des Trainerteams. Die Kurse finden von Freitag nachmittag bis Sonntag nachmittag statt. Übernachtet wird außerhalb. Gegessen wird mit den Inhaftierten gemeinsam.

Die Anmeldung läuft über PAG, aber für die AT muss ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis direkt von der Behörde an die JVA gesandt werden. Die Kursgebühr wird an PAG überwiesen. Die Kurse unterscheiden sich inhaltlich nicht von Kursen draußen.

Die Stimmung

Bei unseren Kursen steht das Lernen über Selbsterfahrung im Vordergrund. Es werden keine Lösungen vorgegeben und niemand wird zur Erkenntnis gezwungen. Es gibt Soziale Trainingsgruppen in JVAs, die sehr von unseren Ansätzen der Stärkung und Eigenverantwortung abweichen. Anders als diese sind wir der JVA-Leitung nicht zur Auskunft verpflichtet, was wer zu wem Vertrauliches gesagt hat. Um nun die Stimmung zu beschreiben möchte ich mich eines kürzlich erschienenen Artikels der RIFIFI (Gefängniszeitung) bedienen, den einer unserer dortigen Trainer verfasst hat:

Zitat RIFIFI: Eine Grundbedingung ist die freiwillige Teilnahme an dem Programm, sowohl auf der Ebene der Einzelnen als auch der Institution. Wenn das Programm verpflichtend gemacht oder jemand durch einen anderen aufgedrückt wird, wird es wahrscheinlich schief gehen. Bei unseren Kursen geht es um persönliches Wachstum. Und Menschen können nur wachsen und sich weiterentwickeln, wenn sie sich selber frei dazu entscheiden. Alle unsere Trainerinnen und Trainer sind Freiwillige. Und genauso erwarten wir von allen Teilnehmern, dass sie freiwillig kommen. Trotz unserer besten Bemühungen, Zwang oder auch nur den Anschein von Zwang und Unfreiwilligkeit zu vermeiden, kommt es manchmal vor, dass sich Gefangene zu unseren Kursen melden, weil sie unter dem Druck der Anstalt stehen oder sich so erleben oder weil sie glauben, seitens der Justiz werden mögliche Vergünstigungen oder Entscheidungen davon abhängig gemacht. Sollte dieses Motiv während des Kurses das ausschlaggebende bleiben, wären die meisten unserer Gefängniskurse wenig erfolgreich. Allerdings erleben wir, dass diese Motivation nicht lange vorherrscht. Erfahrungsgemäß entscheiden sich die Teilnehmer meist recht früh während des Workshops, dass ihnen der PAG-Kurs mehr bietet, als nur eine Teilnahmebescheinigung für die Gefangenenpersonalakte. Und von diesem Punkt an werden sie zu wirklichen Freiwilligen.

Als Rückmeldung von Außenteilnehmern bekommen wir immer wieder zu hören, dass sie glatt vergessen hätten in einem Gefängnis zu sein oder dass sie über die Offenheit der Teilnehmer erfreut und erstaunt seien.

Elmshorn

Seit 2005 gibt es PAG-Kurse in Elmshorn (30 km nordwestlich von Hamburg, an der B23 gelegen). Sie finden statt in einem Gemeindehaus der Stiftskirche. Die Kurse beginnen in der Regel am Freitag um 18 Uhr mit einem Abendessen und enden am Sonntag gegen 15.30 Uhr. Für Mittag- und Abendessen wird vom Team gesorgt.

Für Teilnehmende von außerhalb bemühen wir uns auf Wunsch, eine Schlafmöglichkeit bei einer/m Teilnehmer/in zu organisieren. Bei Anmeldung von außerhalb kann außerdem auf Wunsch eine Wegbeschreibung zugesandt werden. Die Anreise ist gut mit dem Zug möglich. Die Räume sind in ca. 10 min. vom Bahnhof zu Fuß zu erreichen.

Kassel

Im Kassel in den Räumen der Ökumenischen Werkstatt bietet ein Trainer/innen-Team in einem Jahr ca. drei Grundkurse und je nach Bedarf entsprechende Aufbaukurse und Trainings für Trainer an. Der große Altersunterschied und der vielschichtige berufliche und weltanschauliche Hintergrund der Teilnehmer ist eine wesentliche Bereicherung für unsere Kurse außerhalb eines Gefängnisses.

Nach dem Durchlaufen aller Kurse können die Teilnehmer/innen, die in der Umgebung von Kassel leben, in einer monatlichen Gesprächsgruppe ihre Erfahrungen austauschen und das in den Seminaren Erlernte vertiefen.

Die Kurse beginnen in der Regel am Freitagabend mit einem gemeinsamen Abendessen und enden am Sonntagnachmittag. Die Tagungsstätte liegt mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar mitten in Kassel. Für auswärtige Teilnehmer, die nicht in der Jugendherberge übernachten wollen, stehen in dem Tagungshaus einfache Übernachtungsmöglichkeiten bereit.


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